Medusenblut

Details

Albert Duncel

Michael Siefener
Medusenblut 10, 194 Seiten, Pb
14.00 €

AUSVERKAUFT!

Aus dem Inhalt:

ALBERT DUNCEL ist ein Roman ├╝ber den seltsamen Phantastikautoren Alber Duncel in Form einer fiktiven Biographie. Das Buch ist auf 100 Exemplare limitiert.


Leseprobe:

Diese Verunsicherung griff auch auf die Familie Hell ├╝ber. Angst war eines der beherrschenden Gef├╝hle. Albert Duncel beginnt seine Fragment gebliebene Autobiographie mit den Worten:
ÔÇ×Meine erste ├äu├čerung auf dieser Welt war ein Schrei der Angst. Die Welt schrie zur├╝ck. Aus Ha├č.ÔÇť
Die Mutter verz├Ąrtelte den schwachen Knaben und versuchte, ihn von allen Gefahren fernzuhalten. Kaum sah er je das Tageslicht, da angeblich die Luft f├╝r ihn zu gef├Ąhrlich sei. Der Vater verstand dies nicht, doch anstatt sich durchzusetzen und den Jungen mit in die Welt zu nehmen - und sei es nur auf kurzen Spazierg├Ąngen in dem kleinen, komfortablen Kinderwagen, den die Mutter sofort teuer gekauft hatte -, begann er sich wieder in sich selbst zur├╝ckzuziehen; der Proze├č der Entfremdung zwischen den Ehegatten setzte erneut ein, wenn er auch durch die Existenz des Kindes verlangsamt wurde.
Das Kind war oft krank und anf├Ąllig f├╝r alle Arten von Erk├Ąltungen, so da├č es beinahe das ganze erste Lebensjahr hindurch mit Medikamenten versorgt werden mu├čte. Es war d├╝rr, und es schien zu schwach zu sein, um jemals laufen oder sprechen zu lernen. Schon bef├╝rchteten die Eltern, sie h├Ątten einen debilen Sohn. ├ärzte wurden konsultiert, die widerspr├╝chliche Diagnosen stellten. Die Mutter lebte in einer st├Ąndigen Angst, die auch ihren Mann ansteckte. Zeitweise k├╝mmerte er sich wieder mehr um die Familie, trank seltener, schien regelrecht besorgt.
Endlich begann der kleine Albert im Alter von eineinhalb Jahren zu sprechen. Er schreibt dazu:
ÔÇ×Mein erstes Wort war nicht Mama oder Papa, es war Angst. Dies war das Wort, das ich am h├Ąufigsten geh├Ârt hatte. Angst vor einem neuen Krieg. Angst vor einer Rezession, Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut. Angst davor, da├č ich zur├╝ckgeblieben und ein Klotz am Bein sein k├Ânnte. Nat├╝rlich verstand ich all diese Gr├╝nde der Angst damals nicht, aber es gen├╝gte, um mein erstes Wort, um mein erstes Verst├Ąndnis von der Welt zu pr├Ągen: Angst.ÔÇť

Über den Autor:

Michael Siefener arbeitet als ├ťbersetzer und ver├Âffentlicht seit Jahren im Bereich der unheimlichen Phantastik, neben Anthologiebeitr├Ągen die Publikationen Bildwelten (Hubert Katzmarz), Tage im Hotel (Goblin Press), Nonnen (Goblin Press, bzw. Heyne), Das Reliquiar/Die W├Ąchter (Edition Metzengerstein, bzw. Blitz) und Wirrnis (zusammen mit Marcel Feige, Medusenblut)


PRESSE

"Das vorliegende Buch hat mich ge├Ąrgert!
Wenn auch nur deshalb, weil ich es gern selbst geschrieben h├Ątte, jedoch schulterabsackend zugeben mu├č, vermutlich h├Ątte ich es nie und nimmer so brilliant hinbekommen wie Michael Siefener.
(...)
Tats├Ąchlich ist das Buch ├╝ber den erfundenen Schriftsteller und Psychopathen Albert Duncel mit seiner fast von Geburt an verstauchten Seele derart realistisch geschrieben und formuliert, da├č ich mich w├Ąhrend des Lesens hin und wieder ernsthaft fragte, ob er nun existierte oder nicht. Es gab Momente, da w├Ąre ich am liebsten in das Buchgesch├Ąft meines Vertrauens oder ins Antiquariat gelaufen und h├Ątte mir Duncels B├╝cher bestellt.
Das literarische Experiment ALBERT DUNCEL ist mehr als gelungen: Das facettenreiche Psychogramm eines gleicherma├čen faszinierenden wie absto├čenden Charakters. Plastisch, anschaulich, vor allem nachvollziehbar geschildert. Einfach gro├če Klasse! Der Eindruck eines Sachbuchs wird vom Autor unter anderem durch seinen n├╝chternen, vermeintlich objektiven Chronisten-Erz├Ąhlstil und Fu├čnoten untermauert; auch die Verlage, in denen Duncel angeblich publizierte, existieren.
Sicherlich ist das Buch nicht jedermanns Geschmack, doch wie bereits anfangs erw├Ąhnt: Ich habe mich ge├Ąrgert, nicht selbst diese geniale Idee gehabt zu haben!
Ein gr├Â├čeres Lob kann man einfach nicht machen!!!"
Nocturno 2