Medusenblut

Details

StirnhirnhinterZimmer

Christian von Aster, Markolf Hoffmann, Boris Koch
Medusenblut / Midas, 127 Seiten, Pb, ISBN 978-3-935901-13-0
10,00 €

IM LAGER

Aus dem Inhalt:

Wenn das STIRNHIRNHINTERZIMMER seine Pforten öffnet, übernehmen Pinguine über Nacht die Weltherrschaft, tanzen untote Schlagerstars in den Straßen von Berlin, verdoppeln sich Reliquien auf wundersame Weise, schrumpfen Nashörner auf Westentaschengröße, wird ein Pfefferkuchenmann zum Giftmörder, geht ein Troll auf Frühstückssuche.
Der Band enthält 18 Erzählungen aus der Berliner Phantastik- Lesereihe "Das StirnhirnhinterZimmer".


Leseprobe:

Es war am Morgen des 11. Juli 2008, als ein Pinguin mit rotem Cape ins Weiße Haus flog, in eine Besprechung platzte und in klarem Amerikanisch die Weltherrschaft beanspruchte. Mit seinem Kälteblick ließ er in Sekundenbruchteilen den Kaffee des Präsidenten gefrieren.
„Sie haben drei Tage, meine Herrschaft auszurufen, sonst friere ich die ganze Wasserversorgung Washingtons ein. Und drehen Sie die Klimaanlage auf, hier drin herrscht eine Bullenhitze.“
Die Fensterscheibe splitterte und der Pinguin war verschwunden.
„Was war das?“, fragte ein General vorsichtig.
„Zu niemandem ein Wort davon“, zischte der Sicherheitschef des Weißen Haus’ und alle nickten. Der Sicherheitschef war ein großer blonder Mann, der meist zischte, wenn er sprach. Niemand wollte es sich mit ihm verderben, und niemand wollte öffentlich über sprechende Pinguine reden, und es sich mit dem Rest der Welt verderben.
„Hat jemand erkannt, ob auf dem Cape ein Symbol war?“, wollte der Präsident wissen, ein stattlicher Mann mit stählernem Seitenscheitel und mächtigem Schlips. „Halbmond, Hammer und Sichel oder das Ding von den Chinesen im oberen Eck, Sie wissen schon.“
„Ein großer Stern und vier kleine“, bemerkte ein anderer General. „Der große symbolisiert …“
„Ja, ja, schon gut. Checken Sie die Kameras im Haus, finden Sie raus, wo das Vieh herkam und rufen Sie mir einen Zoologen.“
„Ja, Sir“, sagte die hübsche Praktikantin.
„Vorher bringen Sie mir aber noch einen neuen Kaffee.“ Er schwenkte seine eingefrorene Tasse. „Und das hier muss in ein Labor.“
Die Praktikantin nahm die Tasse und eilte hinaus.
„Nehmen Sie die Sache ernst, Mr. President?“, wollte der vorsichtige General wissen.
„Ob ich einen Pinguin ernst nehme, der mir droht? Für wen halten Sie mich?! Soll ich eine Rede an die Nation halten, wo ich einem Pinguin mein Land übergebe?“
„Ähm, Sir, die Welt, es ging um die ganze Welt.“
„Unser Land, die Welt, wo ist da der Unterschied?“
„Also …“
„Das war rätoromanisch, ich will keine Antwort! Was ich will sind Beweise für eine Verbindung zwischen dem Pinguin und den verfluchten Islamisten. Ich will ein Foto von dem Pinguin mit Turban! Und finden Sie raus, ob das ein Roboter war oder Gen- Pinguin oder was auch immer!“
Der Beraterstab nickte im Gleichtakt. Sie waren froh, einen entschlossenen Präsidenten zu haben, einen Turm in der Schlacht.
„Wo zur Hölle bleibt der Zoologe?“

aus: Die Herrschaft der Pinguine

Über den Autor:

Markolf Hoffmann, geboren 1975, lebt als freier Autor in Berlin. Während seines literaturwissenschaftlichen Studiums verfasste er die vierbändige Fantasyreihe Das Zeitalter der Wandlung. Der letzte Teil Splitternest erschien 2007. Webseite: http://www.nebelriss.de

Christian von Aster, geboren 1973, lebt als freier Autor überwiegend in Berlin. Studierte Germanistik und Kunst und bewegt sich verschiedentlich nominiert und preisgekrönt enreübergreifend zwischen Bühne, Buch und Film. Webseite: http://www.vonaster.de

Boris Koch, Jahrgang 1973, lebt als freier Autor und Lügner h. c. in Berlin. Er verfasste u. a. mehrere Bände mit Erzählungen, den Jugendkrimi Feuer im Blut und die Fantasyparodie Die Anderen. Zudem betätigt er sich regelmäßig als mephistolischer Wortmetzler und Otherlander. Website: http://www.boriskoch.de


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