Medusenblut

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Nachmieter gesucht ...

Christian von Aster
Medusenblut 16, 122 Seiten, Pb, ISBN 3-935901-07-0
10.00 €

IM LAGER

Aus dem Inhalt:

‚ÄěIch gebe zu, dass es keine besonders sch√∂ne Geschichte ist. Aber was will man machen? Daf√ľr gibt es Groschenromane und Seifenopern. Keine Wand der Welt besitzt das Bed√ľrfnis, einen Menschen zu schonen.‚Äú

Und es sind W√§nde, welche die sieben Geschichten des Bandes NACHMIETER GESUCHT ... erz√§hlen. Die W√§nde alter H√§user, einsamer H√ľtten oder st√§dtischer Wohnungen, die dem Insassen einer Psychiatrie schonungslos vom Ungl√ľck ihrer Bewohner oder Besucher berichten, und so ein d√ľster groteskes Bild des menschlichen Zusammenlebens zeichnen.


Leseprobe:

Schon während meiner ersten Nacht in der neuen Wohnung wurde mir das seltsame Gebaren um den Hof etwas klarer.
Kurz nach Mitternacht- ich war eine Stunde zuvor zu Bett gegangen, glaubte ich im Halbschlaf einen huschenden Schatten vor meinem Fenster zu sehen.
Im vierten Stock, wohlgemerkt.
Ich stutzte, wälzte mich aus dem Bett und wankte ans Fenster. Und da sah ich es.
Da war tatsächlich etwas, doch es war eher ein Schemen, hatte keine wirkliche Gestalt und bestand vielmehr aus wallenden Nebelschwaden, die aber derart dicht waren, daß sie beinahe schon wieder körperhaft wirkten .
Wie mit Fingern fuhr dieser Nebel √ľber die Scheibe und wollte, so schien es, noch h√∂her wabern.
Ich schaute - soweit es mir durch das Fenster möglich war, denn es zu öffnen fehlte mir der Mut - in den Hof hinab: Wenig unterhalb meines Stockwerkes wurden die Nebelschwaden zu einer undurchdringlichen milchig wabernden Masse, die nach unten hin immer noch dichter zu werden schien.
Wir belauerten uns stundenlang, ich und der Nebel, und ich war froh, daß zwischen uns jenes Fenster war.
Seltsam, dachte ich noch, was sich nachts in so einem gar nicht vorhandenen Innenhof abspielt...

Ich erwachte vor dem Fenster.
Von hoch √ľber den D√§chern stachen die Strahlen der Sonne mir ins Gesicht und ein Blick auf die Uhr best√§tigte meine schlimmsten Bef√ľrchtungen.
Ich verzichtete auf das Fr√ľhst√ľck und au√üerdem die H√§lfte meiner Morgentoilette, lie√ü es mir allerdings nicht nehmen, noch einen Blick aus dem Fenster zu werfen, bevor ich ging. Der Nebel war immer noch dort.
Er lag vielleicht ein Stockwerk tiefer, sonst aber hatte sich nichts verändert...
Dann ging ich zur Arbeit und wu√üte sehr genau, was mich w√§hrend dieses Tages vorrangig besch√§ftigen w√ľrde.

aus: Die Mieter

Über den Autor:

Christian von Aster ver√∂ffentlicht seit Jahren Sammelb√§nde und H√∂rb√ľcher seiner Erz√§hlungen in seinem Verlag Midas Publishing, darunter die Sammlungen Liber Vampirorum, Die Karawane der Diebe und Encyclopedia Neurotica. Hinzu kommen Erz√§hlungen in Anthologien (u.a. Festa-Verlag), Comic-Texte (EEE), ein Horror-Lexikon, verschiedene Drehb√ľcher und einiges, das hier ungesagt bleiben soll.


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