Medusenblut

Details

Websters PandÀmonium

Christian von Aster
Medusenblut 13, 141 Seiten, Pb, ISBN 3-935901-03-8
10.00 €

AUSVERKAUFT!

Aus dem Inhalt:

WEBSTERS PANDÄMONIUM fĂŒhrt eine steinerne Treppe hinab, in die verzweigt zwielichtigen Katakomben eines AntiquitĂ€tengeschĂ€ftes, und schließlich durch neun sinistre ErzĂ€hlungen, in deren dunklen Winkeln die Hoffnung sich erhĂ€ngt hat, und wo zu ihren kalten FĂŒĂŸen eine Wahrheit wuchert, die niemand anders als der Wahnsinn selbst an seiner schartigen Brust gesĂ€ugt hat.


Leseprobe:

In seiner Zelle hatte er nachgedacht; ihm waren ein gutes Dutzend Leute eingefallen, die fĂŒr dieses StĂŒck sicher gut bezahlt hĂ€tten.
Trotzdem wollte er es nicht verkaufen.
Jedenfalls nicht gleich.
Befremdlich lugten die HÀlse des Instrumentes aus seiner Jacke und beinahe war es, als triebe der ruhige West-wind ihn gemÀchlich durch die staubschwangeren Gassen. Ein kleines helles Segelboot auf schicksalhaftem Kurs durchs HÀusermeer...
Er preßte es fester an sich.
Was hatte er nicht alles getan, um sich ĂŒber Wasser zu halten. Er war LeichenwĂ€scher, Drogenkurier und zuletzt bei der Landvermessung gewesen.
Dieses Instrument - was immer es seit wann immer auch war - war sein Weg in die besseren Viertel der Stadt.
Mit der freien Hand schlug er den Kragen seiner Jak-ke hoch und blickte sich um.
Es war frĂŒh am Morgen, die Sonne hatte ihr ungnĂ€-diges Regiment noch nicht begonnen und dennoch waren die Straßen schon beinahe voll. Er meinte die Blicke der Leute auf seinem Schatz zu spĂŒren, zog die Jacke fester zu und beschleunigte seinen Schritt.
Diese Stadt schien zu leben, lange bevor die Sonne es tat. Die Schatten von HĂ€ndlern und Gaunern huschten durch die Straßen, inmitten von allem er und allen voran der Wind.
Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen, und mit ei-nem Mal schien das Weiß seiner Haut beinahe noch heller zu werden. Vor ihm stand, wie ein gigantisches verkrĂŒppeltes metallenes Insekt, das seine grotesken Gliedmaßen sterbend von sich streckte, ein verbogener ZeitungsstĂ€nder.
Ältere Ausgaben von Zeitschriften, die niemand je-mals kaufen wĂŒrde reihten sich, vom Sand bis zur Unkennt-lichkeit entstellt, einhellig nebeneinander.
In einem der oberen FĂ€cher stand der Maroccoan Mercure, dessen Titelbild Herder auf das Äußerste verstörte.
Dort lag in der Ecke eines Hinterhofes eine zusam-mengekauerte, in Lumpen gehĂŒllte Leiche. Ein zweites Bild, wohl eine vergrĂ¶ĂŸerte Aufnahme, zeigte deutlich eine schlimme Brustwunde in Höhe des Herzens.
Doch Herder bemerkte auf jenem Bild noch etwas ungleich Beunruhigenderes: es war eine seltsame dunkle Stelle am Kopf des Toten, die sich auf den zweiten Blick als Zeugnis eines makabren Gewaltaktes entpuppte: man hatte dem Toten die Ohren abgeschnitten.
Und selbst wenn fĂŒr Herder alle Beduinen, Berber und KaftantrĂ€ger dieses Landes gleich aussahen, erkannte er den Mann, der ihm vor zwei Tagen erst das Instrument ĂŒberlassen hatte..“

aus: Diaboli Musica

Über den Autor:

Christian von Aster veröffentlicht seit Jahren SammelbĂ€nde und HörbĂŒcher seiner ErzĂ€hlungen in seinem Verlag Midas Publishing, darunter die Sammlungen Liber Vampirorum, Die Karawane der Diebe und Das Kobolticum. Hinzu kommen ErzĂ€hlungen in Anthologien (u.a. Festa-Verlag), Comic-Texte (EEE), ein Horror-Lexikon im Lexikon Imprint Verlag, verschiedene DrehbĂŒcher und einiges, das hier ungesagt bleiben soll.


PRESSE

"Mit dem vorliegenden Band Websters PandĂ€monium setzt der Verlag seine bemerkenswerte Arbeit fĂŒr die deutschsprachige Phantastik mit einem Werk fort, dessen inhaltliche Konzeption und DurchfĂŒhrung sich nicht hinter denen anderer Verlagspublikationen zu verstecken braucht – ganz im Gegenteil.
Christian von Aster ist vielen kein Unbekannter mehr. Der Autor hat sich als innovativer Meister von Leseabenden einen Namen in der Szene gemacht. Dass er auch als Schriftsteller neue Akzente setzen kann, beweist er mit der neuesten Publikation. (...).
Herr Winzewarz schlĂ€gt einen anderen Rhythmus an. Aus der Sicht eines ZehnjĂ€hrigen wird hier eine etwas andere Art der MĂ€nnerfreundschaft erzĂ€hlt. Ein Ă€lterer Mann in der Nachbarschaft hat einen verderblichen Einfluss auf den Jungen, welcher durch die Faszination der Bibliothek des Mannes angelockt, sich freiwillig in das Verderben stĂŒrzt. Selbst am Ende ist er davon ĂŒberzeugt, im Nachbarn einen Freund zu haben. Sicherlich ein MeisterstĂŒck der unheimlichen Phantastik, das mit Andeutungen arbeitet und damit einen grĂ¶ĂŸeren Schrecken erzielt als mit der expliziten Darstellung. Dass es sich dabei aber gerade NICHT um sexuelle Perversionen des Nachbarn handelt, macht die Story noch furchteinflĂ¶ĂŸender. (...).
Der von der modernen Kritik so vielgeschmĂ€hte Bilderreichtum – hier fließen die Geschichten ĂŒber mit Metaphern und von einem SprachgefĂŒhl, das den Leser in die Geschichten hineinzerrt.
Keine Frage – auch mit der neuen Publikation ist dem Verlag „Medusenblut“ ein weiterer Meilenstein der modernen deutschen Phantastik gelungen. Wollen wir hoffen, dass der Verlag in diesem Sinne weiterarbeitet und neuen deutschen Talenten Wege eröffnet, welche frisches Blut in die angestaubten Gehirne pumpen."
phantastik.de

"Diese kleinen Studien menschlicher AbgrĂŒnde und Reaktionen auf verteufelte Situationen und Erscheinungen sollte man sich keineswegs entgehen lassen."
Solar-X

"Wer es wagt, zusammen mit dem namenlosen Protagonisten in die Kellergewölbe unter Websters Buchladen hinabzusteigen, wird mit dem Anblick einer Freakshow belohnt, der es an ungewöhnlichen EinfÀllen nicht mangelt. Christian von Asters Sprache bleibt dabei ausdrucksstark und einprÀgsam, ohne jemals an Kraft zu verlieren."
Mephisto