Medusenblut

Details

Mein Fleisch wird brennen

Michael Tillmann
Medusenblut 7, 60 Seiten, DIN A 5
4.00 €

AUSVERKAUFT!

Aus dem Inhalt:

MEIN FLEISCH WIRD BRENNEN ist eine perverse, giftige Geschichte von Besessenheit und Feuer, die durch ihren derben Inhalt kontroverse Meinungen hervorrief. Abgerundet wird das Heft durch eine siebenseitige tödlich kalte Kurzgeschichte.


Leseprobe

"Die Stadt ohne Namen! Der Kerl war wirklich verrückt! Ich gab ihm die 40 DM und rannte fort. Nur weg hier. Mit stechenden Lungen erreichte ich meinen alten Honda CRX 16V. Mein Rachen brannte wie Feuer. Und... Was? Ich hatte einen Strafzettel bekommen. Das Leben kann manchmal schrecklich prosaisch sein. Nicht wahr? Was war schon die dämliche Stadt ohne Namen? Die Stadt, deren Namen ich kannte, wollte auch noch 40 DM haben. Welche Dämonen waren schlimmer?


2.

„Ich hab das Auge im Feuer gesehen.
Es will mich, das brennende Auge des Zentrums...
Es hat mich gierig angeschaut.“

aus „Feuer im Kopf“ von Frank Festa

Während des gesamten Nachmittags wusch, schrubbte und polierte ich an dem Kerzenhalter herum. Erst am Abend war ich fertig. Sofort steckte ich dicke Kerzen in den Halter und zündete sie an. Sah das Feuer. Feuer. Feuer stellt Fragen. Was macht das Geschöpf zum Menschen? Linné glaubte, daß es die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis wäre. Er schrieb zur Artbeschreibung des Menschen jenen einen, fast schon ironischen Satz: „Nosce re ipsum.“ (Erkenne dich selbst!) Vielleicht aber ist der Ursprung der Menschwerdung viel - viel - viel - trivialer: die Macht über das Feuer erlangen. Da war der Mensch nun unabhängig von der Witterung; er konnte still in seiner Höhle sitzen und --- denken. Nun nach all diesen blutigen Jahrtausenden der Wahrheitssuche und der geglaubten Lüge - ha ha - lag ich auf dem Bett und betrachtete faul und träge das wärmende Schauspiel des Feuers. Wärme!
Draußen wurde es kälter; es begann zu regnen. Hart schlugen die Tropfen gegen die tiefe Dachschräge über meinen Kopf. Die aufdringlichen Geräusche hörte ich jedoch kaum, da ich mich nur noch auf die Betrachtung meines belanglosen Werkes konzentrierte. Tand, Tand ist das Werk von Menschenhand. Karola, die nur ein luftiges Sommerkleid trug, war ins Zimmer geweht. So leichtfüßig, so sanft, so scheinbar unschuldig. Du Luder! Sie legte sich neben mich und betrachtete auch Leuchte und unbarmherzige Hitzesmacht. Schließlich sagte sie leise: „Das hast du gut gemacht; der Glanz ist faszinierend. Selbst die Flammen scheinen heller zu brennen als an anderen Leuchtern.“
So lagen wir da und starten in die zitternden Flammen der Kerzen. Im Radio lief „Poor Man´s Moody Blues“ von Barclay James Harvest. Wie schön doch erbarmungsloser Kitsch sein kann. So nahm ich eine Flasche mit Duftöl und goß einen Tropfen in jede Flamme. Der Geruch von herbsüßem Herbstlaub verbreitete sich im Raum. Aber da war noch ein zweiter, leiser Geruch.
Karola hatte gerade eine größere Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt. Ihre Wangen waren noch etwas gerötet, denn sie war schnell gefahren, um nicht in das anstehende Sommergewitter zu kommen. Nun roch sie angenehm nach frischem, sauberen Schweiß. Wie ist das noch mit den Pheromonen?“
Aus: Mein Fleisch wird brennen

Über den Autor:

Michael Tillmann schreibt seit einigen Jahren und veröffentlicht in Fanzines und verschiedenen Anthologien der Small Press, so in Liber XIII (Goblin Press)und Der agnostische Saal 2 (Malderor). Er schreibt respektlos und überschreitet bewußt provozierend mit bizarrem Humor die Grenzen des guten Geschmacks. Ein erstes Heft mit Kurzgeschichten aus seiner Feder, Das Grinsen im Labyrinth, ist vor ein paar Jahren bei Goblin Press erschienen.


Presse

„... geradezu begeistert. ... Was diese Geschichte so einzigartig lesenswert macht, ist die Verschmelzung der stilistischen Eigenheiten des Autoren mit dem äußeren Handlungsstrang und der Schilderung der Psyche des Malers. Vertieft und intensiviert wird dieses Erlebnis noch dadurch, daß die Geschehnisse aus der Ich-Perspektive des Malers geschildert werden. Was dazu führt, daß man sich schnell der Story nicht mehr entziehen kann, die einen packt und bis zum Schluß nicht mehr los läßt. So soll Literatur sein, insbesondere die phantastische, die mehr denn jede andere die Möglichkeit besitzt, zur Psyche des Lesers vorzudringen und diesen zu verstören – im positiven Sinne, versteht sich.“
Screem