Medusenblut

Details

Das goldene Kalb - Die 10 Gebote des Fortschritts

Christian von Aster / Boris Koch
Midas publishing / Medusenblut / FKSFL, 130 Seiten, Pb, ISBN 3-935901-01-1
10.00 €

AUSVERKAUFT!

Aus dem Inhalt:

DAS GOLDENE KALB beinhaltet 5 SF-Erzählungen von Christian von Aster und 5 von Boris Koch. Die Szenarien, die sie entwerfen, zeigen gewiß keine Zukunft, in der man Leben möchte. Aber es ist gut, darüber bescheid zu wissen.

Die Erzählungen "Die Flotte" und "Homunculus 2041" von Christian von Aster sind für den Deutschen Science Fiction Preis 2002 nominiert, die Erzählung "Terraforming" von Boris Koch für den Kurd-Laßwitz-Preis 2002 und den Deutschen Science Fiction Preis 2002.


Leseprobe:

„Da ist was! Da ist was!“
Und wir hoben die Platte zur Seite. Tatsächlich, der Limo-Automat. Mit einem Tischbein und Betonbrocken hebelten und schlugen wir an ihm herum, bis uns Münzen entgegen sprangen. Ein erster Sieg. Tom zog sich sein Bayern-Trikot mit der Nummer 10 aus und verknotete Ärmel und Halsöffnung.
„Da, schmeiß rein! Das ist unsere Schatztruhe.“
„Dein Deisler-Trikot?“
„Was soll´s. Der spielt jetzt eh bei Olympiakos.“
„Und deine Eltern? Gibt das keinen Ärger?“
„Ärger?“ Tom lachte. „Mann, unser Haus steht nur noch halb, wen interessiert da ein Trikot?“
Ich sagte nichts. Tom interessierte es, das sah man. Auch wenn Deisler gewechselt war, so schnell vergaß man seinen Lieblingsspieler nicht. Spielmacher, wie Tom. Aber der war im Moment besessen von der Idee unseres Schatzes. Wir zählten das Geld in den improvisierten Textilsack; es kamen einige Euro zusammen. Dann folgten wir unserer Nase auf der Suche nach dem Milch-Atomaten, der beißende Gestank führte uns zu geplatzten Kabatüten und verteilter Erdbermilch. Viel war von dem Automaten nicht übrig, doch wir fanden herumliegende Münzen.
„Wahnsinn, Naso, wir werden echt noch reich.“
Ich nickte und wühlte weiter. Und wir wurden reich. Zumindest in den Maßstäben eines Zwölfjährigen. Ich habe vergessen, wie viele hundert Euro wir fanden, aber es waren einige. Und wir fanden noch etwas anderes.
„Hey, Naso, hier riecht es auch komisch. Was außer Milch stinkt noch so?“
„Keine Ahnung. Warte, ich helf´ Dir.“
Ich warf die alte Wanduhr zur Seite, die ich nicht zum Laufen gebracht hatte. Gemeinsam hoben wir verkantete Tischgestelle und das gesplitterte Holz und den Schutt dazwischen zur Seite. Und dann schrie Tom. Mit einem Schlag verschwand das Strahlen aus seinen Augen, das ĂĽbermĂĽtige Pfeifen von seinen Lippen.
„Scheiße!“
Ich sah auf die Stelle vor seinen Zehen und sackte zusammen. Eine Hand ragte zwischen den TrĂĽmmern heraus. Schmutzig, stark behaart und der kleine Finger unnatĂĽrlich zur Seite gebogen. Die anderen Finger umklammerten eine Granate.
Aus: Boris Koch, 16. September

Über den Autor:

Christian von Aster veröffentlicht seit Jahren Sammelbände seiner Erzählungen in seinem Verlag Midas Publishing, darunter die Sammlungen Liber Vampirorum, Die Karawane der Diebe und Nachmieter gesucht. Hinzu kommen Erzählungen in Anthologien (u.a. Festa-Verlag), Comic-Texte (EEE), ein Horror-Lexikon im Lexikon Imprint Verlag, verschiedene Drehbücher und einiges, das hier ungesagt bleiben soll.
Boris Koch veröffentlicht seit 1993 Erzählungen in Magazinen und Anthologien (Der agnostische Saal, Arkham, Weihnachten mit Cher und andere). 1997 erschien der Abenteuerroman 365 Grad bei Goblin Press, der in Zusammenarbeit mit Jörg Kleudgen entstanden war, 1998 die vergriffene Sammlung Hirnstaub. Er ist Redakteur der Magazine Mephisto und Dragon.


PRESSE

"Die Überschrift täuscht. Das einzige Gebot steht auf der Rückseite des gelungenen Buches „Das goldene Kalb“ (Medusenblut): „Es ist gewiß keine Zukunft, in der man leben möchte. – Aber es ist gut, darüber bescheid zu wissen.“ Christian von Aster und Boris Koch steuern jeweils fünf Stories zu dieser schön gestalteten (und vom Freundeskreis SF Leipzig geförderten) Sammlung bei. Durchweg verstörende Kurzgeschichten, bei denen der Leser am Ende froh ist, es zumindest nicht selbst zu erleben. Ob Riesen-Amöben, die sich in ihre getöteten Opfer verwandeln, ob sexbesessene Hologramme, ob auf dem Mars verlassene Kosmonauten, aus alten Motiven werden überraschende Schlüsse gezogen. Aber es gibt auch völlig neue Seiten alter Themen: Komplette Planeten, die von Konzernen aufgekauft sind. An sich kein Problem, aber was passiert nach der Kündigung? Augenimplantate für Ozongeschädigte. An sich kein Problem, aber was passiert, wenn man damit zum Mordzeugen wird? Und als amüsante Zugabe wird noch das „Letzte Geheimnis der Mir“ gelüftet. Und darüber muß man einfach bescheid wissen."."
BLITZ! Stadtmagazin

Das kleine Büchlein umfaßt zehn Science-Fiction-Stories, verfaßt von zwei Autoren, von denen man bis dato anderes gewöhnt war. (...).
Die Sammlung enthält gute bis meisterliche Geschichten, die allesamt kurzweilig, spannend und voller menschlichem Konfliktpotential sind. Der Stil beider Autoren ist nicht zu verwechseln, jeder hat seine eigene Handschrift. So steht bei Christian von Aster der Plot, die SF-Idee, der sense of wonder im Mittelpunkt, zum Teil durch kriminalistische Elemente bereichert. Oft wirken seine Stories wie ein Prolog, aus dem andere Autoren vielleicht dicke Romane gemacht hätten. Boris Koch zeigt dagegen die Auswirkungen zukünftiger und phantastischer Ereignisse und Errungenschaften auf den einzelnen Menschen.
(...) So zeigt von Aster, wie gefährlich ein einzelliges Lebewesen sein kann, das jede andere Lebensform perfekt imitieren kann. Diese Story -- "Phönix" -- könnte auch als Exposè für eine Akte-X-Folge herhalten. Die Parodie darauf hat er ebenfalls gleich parat: In "Das letzte Geheimnis der MIR" lernt der Leser eine Gruppe kennen, die ziemlich stark an die lonley gunmen erinnert. Doch sie erlebt bei ihren Recherchen nach dem titelgebenden vermeintlichen Geheimnis einen mächtigen Reinfall. Diese Story ist die einzige mit dem typisch Asterschen schwarzen Humor. In seinen anderen Geschichten geht es um eine riesige uralte Raumflotte, die von der Menschheit entdeckt wird und das Weltbild derselben auf den Kopf stellt, um die Menschlichkeit von künstlichen Menschen, um die vermeintlichen Segnungen einer Firma, die ein Heilmittel gegen die Blindheit erfindet, die durch erhöhte UV-Strahlung verursacht wurde.
In den Stories von Boris Koch lernen wir einen ziemlich komischen first contact kennen, der aber von entscheidungsbefugter Seite nicht als komisch eingeschätzt wird und zu bösen Folgen für denjenigen führt, der auf diesen Trichter kam (mehr darf hier nicht verraten werden!). Dann wird der Leser in eine arme Seele versetzt, die nun zwangsweise den Mars terraformen muß, weil es die Erde gar nicht mehr gibt. Eine andere arme Seele ist Gastarbeiter auf einem fremdenfeindlichen Planeten, und in einer weiteren Story ist es Gott, der sich keinen neuen Planeten leisten kann und lieber die Menschen mittels einer neuen Religion auf die von ihm begehrte Welt hetzt.
Der Hammer ist die Story "16. September", die allein dadurch schockiert, daß sie schneller von der Wirklichkeit eingeholt wurde, als es dem Autor lieb sein kann. Noch prophetischer wäre nur der Titel "11. September" gewesen (...) Erstaunlich und erschreckend ist die absolut treffende Einschätzung der politischen Situation, bevor sie eintrat.
Insgesamt eine wahrlich lesenswerte Sammlung in einem schönen Layout. (...)"
Alien Contact