Medusenblut

Details

Friedhofsgefl√ľster

Bernd Frenz
Medusenblut 5, 48 Seiten, DIN A 5
4.00 €

AUSVERKAUFT!

Aus dem Inhalt:

FRIEDHOFSGEFLÜSTER beinhaltet zwei packende, schwarzhumorige Horrorerzählungen um Friedhöfe, lebende Tote und Satanisten.


Leseprobe

‚ÄěEs war ein verr√ľckter Sommer. Die Menschen hier in der Gegend starben wie die Fliegen in der Mittagssonne und ich suchte dringend einen Ferienjob, denn ich wollte f√ľr ein paar Wochen in den S√ľden fahren. Ich hatte damals noch bunte Haare und es entsprechend schwer eine Stelle zu finden. Der erste, der mir telefonisch eine Zusage machte, war Hans Hemelinger, Masendorf, Bestattungen seit drei Generationen. Wegen der bereits erw√§hnten Leichenschwemme sollte ich sofort vorbeikommen, um ihm behilflich zu sein. Ich machte mich ohne gro√üe Hoffnungen auf den Weg; doch als ich das enge und muffige Bestattungsinstitut betrat, war ich es, der sich schwitzend nach einer passenden Ausrede umsah. Ich begann gerade den taktischen R√ľckzug zu planen, als Hans aus dem dunklen Hintergrund des Ladens hervortrat. Ein schmerzhaftes Prickeln durchfuhr meinen Nacken bei seinem Anblick. Er war um die 60, besa√ü eine gro√üe, hagere, von Magersucht gezeichnete Gestalt. Seine √ľberdimensionale Hakennase wurde von buschigen Augenbrauen in die Zange genommen. Die Pupillen seiner Augen waren kleine, schwarze Stecknadelkn√∂pfe, die in gelben Milchseen schwammen. Er hatte eine Halbglatze, aber zum Ausgleich daf√ľr trug er sein verbliebenes, graues Haar in d√ľnnen Str√§hnen bis zu den Schultern. Wen dieser Anblick noch nicht abschreckte, dem mu√üte seine kr√§chzende, vom Alkoholdauerkonsum verzerrte Stimme den Rest geben. Boris Karloff H√§tte bei diesem Mann in die Lehre gehen k√∂nnen. Niemand, davon war ich fest √ľberzeugt, niemand der seine toten Verwandten geliebt hatte, w√ľrde deren sterbliche √úberreste in die gichtverkr√ľppelten H√§nde dieses Kretins legen.
(...)
Den ersten Verdacht, da√ü es Hans nicht so genau mit der Piet√§t gegen√ľber den ihn anvertrauten K√∂rpern nahm, kam mir, als er in meiner zweiten Arbeitswoche w√§hrend der Trauerfeier fast besoffen in das offene Grab gefallen w√§re. Die blasphemischen Fl√ľche, die er daraufhin gegen den Toten schleuderte, schockierten die anwesenden Angeh√∂rigen doch betr√§chtlich; aber solche √∂ffentlichen Ausf√§lle waren die Ausnahme. Kalte Schauer √ľberfielen mich jedoch, als ich mir (durch das eben beschriebene Ereignis aufgeschreckt) einmal die M√ľhe machte, sein wirres Suff-Geschwafel zu decodieren. Eines seiner Lieblingsthemen bestand n√§mlich darin, mir zu erz√§hlen, auf welche obskure Art und Weise er schon Personen zur Ruhe gebettet hatte, die ihm zu Lebzeiten unangenehm aufgefallen waren. Seine pers√∂nlichen Favoritenwaren dabei der B√ľrgermeister, den er mit dem Kopf nach unten, und ein Pfarrer, den er mit einer Hand in deutlicher Position zwischen den Beinen, in den Sarg gelegt h√§tte. Hemelinger besa√ü ein unersch√∂pfliches Reservoir an solchen unappetitlichen Geschichten, und er lie√ü jedes Mal ein meckerndes Lachen ert√∂nen, wenn er bemerkte, wie sehr er mich mit seinen Anekdoten beeindrucken konnte. Ich war bem√ľht, seine Erz√§hlungen als geschmacklose Phantasien eines Alkoholkranken alten Mannes abzutun, der seinen Beruf und die durch sein Erscheinungsbild entstandene Distanz zu seinen Mitmenschen nicht verkraftet hat. Doch schon wenig sp√§ter mu√üte ich erkennen, da√ü der Wahnsinn von ihm st√§rker Besitz ergriffen hatte, als ich es zuvor wahrhaben wollte. ...‚Äú
Aus: Vertrackter Vertrag

Über den Autor:

Bernd Frenz gewann vor Jahren einen Kurzgeschichtenwettbewerb des Bastei-Verlags, und seine Story wurde im Taschenbuch Auf der Spur des Hexers von Wolfgang Hohlbein abgedruckt. Im folgenden entstanden weitere Phantastik- und Fantasyerz√§hlungen, die in Anthologien (Der Blutfalter u.a.) und Rollenspielmagazinen erschienen. Seit 1994 entwirft er Comic-Szenarien, die von verschiedenen Zeichnern umgesetzt werden, in erster Linie f√ľr das ber√ľchtigte Horrormagazin Menschenblut und f√ľr Zack. Drei dieser Comic-Short-Stories liegen seit Juli 2000 in Ausgabe f√ľnf der Reihe Kurzer Prozess bei Gringo Comics vor. Prosa ohne Bilder schreibt er heute, teils unter verschiedenen Pseudonymen, f√ľr den Bastei-Verlag oder Zaubermond.


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